1991-1995 Kleinfertigung

Vom Ladengeschäft zum Unternehmen

Die Kundschaft veränderte sich stetig. Zahlreiche Unternehmen aus der Elektronikindustrie wurden auf den neuen Anbieter aufmerksam und bestellten Leiterplatten. Begeistert von der hohen Fertigungsgeschwindigkeit und der kundenorientierten Dienstleistung wurden sie nach und nach zu Stammkunden.

Andererseits nahm die Anzahl der Elektronik-Bastler in der Gesellschaft ab. Basteln war nicht mehr unbedingt nötig, denn die Angebotsvielfalt an elektronischen Geräten und Kleingeräten hatte in den achtziger und neunziger Jahren deutlich zugenommen.

Die Ladentheke hatte somit ausgedient. Der Verkaufsraum wurde zum Büro umgebaut und moderner eingerichtet. Das Geschäft wurde sichtbar zum Kleinbetrieb.

Die Geschäftszeit wurde auf eine 5-Tage-Woche erweitert. Feste Mitarbeiter wurden eingestellt. Die beiden Gründer schnupperten „Unternehmerluft“.

Marketing

Der erste 4-seitige Farbprospekt wurde gemeinsam mit einem Freund in Heimarbeit erstellt. Die Druckkosten waren schließlich schon teuer genug. Mit diesem Prospekt konnte man nun auch nach außen als Produktionsbetrieb auftreten. Gegen die Auffassung in der Branche, dass es sich ja nur um einen ”Bastler-Laden” handelte, musste man kräftig ankämpfen.

Produktion

Ein Meilenstein in der Unternehmensentwicklung war die Einführung der Technologie „Chemische Durchkontaktierung“, die erst erlernt werden musste. Aus der ursprünglichen, eher mechanischen Leiterplatten-Produktion, wurde nun eine chemische Produktion.

Das theoretische Wissen, das Dietmar Contag bei seinem Leiterplatten-Zusatzstudium an der TFH Berlin erlernt hatte, war die Basis für die Entwicklung und den Selbstbau einer manuellen Kleingalvanik. Sie wurde 4m lang und bestand aus 10 Prozessbädern und 12 Spülbädern.

Die Fertigung der neuen Produkte funktionierte sofort reibungslos. Probleme gab es eher bei der Abwasserbehandlung, denn diese erfolgte chargenweise manuell und war sehr aufwändig. Man musste sich hier viel Mühe geben, denn die Wasserbetriebe prüften die Sauberkeit des Abwassers regelmäßig durch Entnahme von Proben.




Die Anzahl der Aufträge wuchs stetig. Gebrauchte und billige Fertigungsgeräte wurden gesucht, aber leider nur in Einzelfällen auch gefunden. Denn es war nur Platz und Geld für manuelle Maschinen vorhanden. Leiterplatten-Gerätschaften sind jedoch in der Regel groß, automatisch und damit teuer.





Die Betriebsräume wurden um eine zweite Wohnung erweitert. Diese lag leider nicht angrenzend, sodass man immer über den Hausflur laufen musste. Aber bitte leise, denn die Hausbewohner durften nicht missgestimmt werden. Ein chemischer Produktionsbetrieb in einem Wohnhaus? Das war nicht gerade beruhigend.

Umzug in Gewerberäume

Die Enge in den Geschäfts- und Wohnräumen war nicht mehr auszuhalten. Ein Umzug wurde nötig, neue Räume wurden gesucht. Als Andreas Contag im Brunsbütteler Damm zum ersten mal die späteren Firmenräume sah, drehte er spontan um. Er war der Ansicht, dass diese Räume viel zu groß und auch nicht bezahlbar seien. Nachts fing das Grübeln an: „...du wohnst um die Ecke...“, „...du hast noch viel vor...“ und „...bisher ging es immer steil bergauf...“. Also nahm er allen Mut zusammen und unterschrieb den Vertrag für die untere Etage.

An einem Samstag waren die Sachen schnell gepackt, fünf mal nur musste der Kleintransporter fahren. Am Sonntag waren die neuen Räumen fertig eingerichtet und schon am Montag konnte die Arbeit in der neuen Umgebung wieder aufgenommen werden. Kein Kunde hatte den Umzug terminlich bemerkt.

„Geht nicht, gibt’s nicht“, diesem Motto ist das Unternehmen immer treu geblieben.

Aus dem anfänglichen Bastler-Laden mit Klein-Produktion konnte nun ein richtiges Unternehmen werden.

 

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Guido Strehl
Assistent des Vorstands
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