1986-1990 Bastler-Laden

Der 1. Raum (20 m²): Verkaufsraum


Die Entwicklung des Geschäfts war auch am Verkaufstresen ablesbar. War in den ersten Jahren nur ein ausrangierter alter Holztisch vorhanden, so gab es nach drei Jahren einen richtigen Tresen aus Hartfaserpappe. Nach 7 Jahren konnte man durch die ersten finanziellen Erfolge auch den Verkaufsraum heller und freundlicher einrichten.


Das Geschäft war nun schon 7 Stunden pro Woche geöffnet, verbunden allerdings mit abendlichen Überstunden und nächtlichen Programmierzeiten.

Für das Studium blieb „leider“ nach und nach immer weniger Zeit. Als dann sogar die ersten Firmen, wie Siemens und das Hahn-Meitner-Institut, Leiterplatten herstellen ließen, waren der Stolz der Inhaber groß. Verbunden allerdings mit der Sorge, dass die Unternehmen herausfanden, dass man ausschließlich mit manuell selbstgebauten Geräten produzierte. Überraschenderweise war dies den Entwicklern aber nicht so wichtig.

Immer wieder hörte man die Auskunft: „Ihr macht das schon, entscheidend ist, dass man bei Euch auf die Leiterplatten warten kann – das gibt es nirgendwo!“

Ein „Computer“ half beim Schreiben der Rechnungen.

Jegliche Software wurde schon damals von Andreas Contag selbst entwickelt und programmiert. Am Anfang war es ein Commodore VC20 mit 0,02 MB (!) Speicher, der dann vom C64 mit angeschlossener Typenradschreibmaschine abgelöst wurde.

Als dann der ATARI ST auf den Markt kam, musste erneut sämtliche Software in monatelanger Nachtarbeit neu geschrieben werden.

Der 2. Raum (20 m²): Produktion

Die Produktion verlief folgendermaßen:

1. Kopieren: Die Kunden lieferten meist Schwarz-Weiß-Zeichnungen auf Papier oder Mattfolie. Diese
mussten auf einen transparenten Film kopiert werden. Der Kopierer wurde mittels einer 500W-Lampe und etwas Holz selbstgebaut. Dies galt natürlich auch für die elektronische Zeitsteuerung.

2. Belichten: Der transparente Film wurde auf das mit Fotolack beschichtete Basismaterial gelegt, mit Büroklammern fixiert und 3 Minuten mit UV-Licht einer Pflanzenlampe belichtet.

3. Ätzen: Eine Ätzanlage zu kaufen war finanziell nicht drin, also wurde getüftelt und folgende Konstruktion verwirklicht: Die Wanne wackelte über einen Exzentermotor immer hin und her, damit die Flüssigkeit über die Leiterplatte fließen konnte. Für die Erwärmung des Bades wurde ein Wasserkocher aus der Küche verwendet und das erwärmte Wasser über einen Schlauch im Bad umgepumpt. Somit war nur ein alter Holztisch, ein Exzentermotor und Sperrholz nötig.

4. Bohren: Mit folgendem Wettspiel wurde motiviert: Vier Studenten (beide Contags und zwei helfende Freunde) saßen um einen Tisch herum mit je einer kleinen Hand-Bohrmaschine. „Auf die Plätze, fertig, los“: Wer zuerst 10 Leiterplatten fertig gebohrt hatte (ca. 1000 Bohrungen) war Sieger. Wehe dem, der aber auch nur ein Loch etwas daneben gesetzt hatte..., denn Qualität wurde schon immer GROSS geschrieben.

Über das Produktionsverfahren schmunzelt man Jahre später, es war damals aber ausreichend effektiv. Investitionen im kaufmännischen Sinne gab es nicht, weil alle Geräte in Eigenleistung mit geringsten Mitteln gebaut wurden. Das war billig – und die eigene Arbeitszeit kostete ja nichts.

Erste Erweiterung! Anmietung der benachbarten Wohnung

Die Geschäftsfläche musste 1989 erweitert werden.
Angeboten hatte sich hierfür die nebenan liegende Wohnung, die allerdings zu diesem Zeitpunkt noch vermietet war. Nachdem für den Mieter eine neue Wohnung gesucht und auch gefunden wurde, stand der Erweiterung auf 120qm nichts mehr im Weg.

Oder doch? Durch die Wohnungsknappheit gab es ein Verbot der „Zweckentfremdung von Wohnraum“ und eine Leiterplatten-Produktion mit Chemie und Bohrmaschinen war in einem Wohnhaus bestimmt nicht gerne gesehen. Also gab man sich in den Punkten Umwelt, Sicherheit und Lärm ganz penibel und letztlich auch erfolgreich Mühe. Weil ein Umzug in Gewerberäume finanziell kaum zu stemmen gewesen wäre, hing das Überleben des Geschäfts jahrelang am seidenen Faden.

Durch die Erweiterung gab es nun endlich auch eine eigene Toilette. Sogar ein kleiner Besprechungs- und Pausenraum war vorhanden, ein dort vom Vormieter eingebautes Hochbett wurde als Lagerfläche genutzt.

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Leiterplatten-Technologie


Das Produktspektrum

  • Einseitige Leiterplatten
  • Zweiseitige Leiterplatten, aber ohne chemische
    Durchkontaktierung
  • Leiterbahnen-Mindestbreite: 1,0 mm
  • Kleinster Bohrdurchmesser: 0,8 mm

 

Ihr persönlicher Ansprechpartner

Guido Strehl
Assistent des Vorstands
+49 30 351 788 -225
strehlcontag.de